Titelseite > Neuigkeiten

Schneller, höher, stärker, mehr Einheit

Updated:13.02.2022

Mein Name ist Zhuo Yue und ich komme aus Weißrussland. Derzeit studiere ich Germanistik im vierten Studienjahr meines Bachelorstudiums an der School for German Studies der Beijinger Fremdsprachenuniversität. Ich habe die Olympischen Sommerspiele 2008 in Beijing miterlebt. Obwohl ich damals noch sehr jung war, erinnere ich mich noch lebhaft an dieses Ereignis, als ob es gestern gewesen wäre. Es hat mich sehr bewegt, so dass ich mich auch sehr auf die Olympischen Winterspiele in Beijing 2022 freue. Ich habe die Online-Berichterstattungen über die Olympischen Winterspiele verfolgt. Nachdem ich mir viele Videos von Athletinnen und Athleten aus verschiedenen Ländern angesehen habe, die sich im Olympischen Dorf befinden, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie mit den Einrichtungen dort recht zufrieden sind und gut mit den Freiwilligen auskommen. Vor allem fiel mir auf, dass Athleten und Freiwillige untereinander Abzeichen austauschten, was wirklich beneidenswert ist. Eine Sache, die mich tief beeindruckt hat, war die Eröffnungszeremonie am Abend, deren Programm sehr faszinierend war. Im Gegensatz zu den Olympischen Sommerspielen 2008 haben mich die diesjährigen Winterspiele auf eine andere Art beeindruckt. Die Technologie ermöglichte visuelle Effekte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Während ich mir die Show mit meinen Eltern anschaute, diskutierten wir immer wieder darüber, ob das Feld in der Mitte eine Eisfläche oder ein Bildschirm war. Wenn es ein Bildschirm war, wie konnten die Menschen darauf laufen oder sogar gleiten? Kurz gesagt: Ich war sehr beeindruckt von der Innovation der Darbietung.

Das zweite, was mir auffiel, war der Enthusiasmus aller Beteiligten. Es war das erste Mal, dass China einen so großen internationalen Wettbewerb in Zeiten der Epidemie ausrichtete, und jeder Freiwillige zeigte, dass er die Athletinnen und Athleten von Herzen willkommen hieß, indem sie am Rande der zweistündigen Eröffnungszeremonie unermüdlich jedes Team mit einem Lächeln begrüßten. Auch die Athletinnen und Athleten zeigten ihre Begeisterung für die Olympischen Winterspiele. Obwohl alle Mundschutz trugen, war das Lächeln auf ihren Gesichtern kaum zu verbergen und spiegelte sich auch in ihren Augen wider. Die Interaktion zwischen einem amerikanischen Athleten und einem chinesischen Freiwilligen vor Ort war ebenfalls sehr bewegend, wobei der Satz „Welcome to China“ wie ein Zauberspruch verwendet wurde, der einen einfach nur berührte.

Ich bin im Februar geboren und habe eine besondere Beziehung zum Winter, den ich schon als Kind liebe. Ich hatte als Kind immer die Vorstellung, dass ich ein Winterschnee-Baby wäre. In Weißrussland schneit es oft im Winter und der Schnee reicht häufig bis zu den Knien. Ich bin schon in jungen Jahren durch den Schnee gelaufen, als ich meinen kleinen Schlitten zog. Für mich ist Schnee ein Symbol der Reinheit und der Schneesport ist für mich ein Phänomen, bei dem Menschen mit dem Schnee tanzen und die ursprüngliche Interaktion mit der Natur zeigen.

Das erste Mal, dass ich den Schnee- und Eissport im wahrsten Sinne des Wortes kennengelernt habe, war im Jahr 2008 auf einer Eislaufbahn in Shanghai. Mein Großvater war in seiner Jugend Eisschnellläufer und hatte auch alpines Skitraining absolviert. Ich habe ihn immer als Vorbild betrachtet und wollte ihm nacheifern. Jedoch war damals der Eissport in China noch nicht besonders populär. Jedes Mal, wenn ich nach Weißrussland zurückkehrte, war es Sommer, so dass mir mein erstes Mal auf dem Eis in Shanghai viel bedeutet. Ich erinnere mich, dass ich es kaum erwarten konnte, aufs Eis zu gehen, und obwohl ich vorher noch nie Schlittschuh gelaufen war, kann ich das leichte Gefühl, das mir das Eis gab, nie vergessen. Danach suchte ich in jeder Stadt, die ich besuchte, zuerst nach einer Eisbahn. Da es damals nicht wirklich viele Städte mit Eisbahnen gab, ging ich, wann immer ich die Gelegenheit hatte, in große Städte wie Shanghai und Beijing zum Schlittschuhlaufen. Um das Jahr 2012 herum bekam Zhengzhou in der Provinz Henan, meine zweite Heimatstadt, ebenfalls eine Eisbahn, und so konnte ich quasi direkt vor meiner Haustür Schlittschuh laufen. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Eisbahnen, und zwar nicht nur Eisbahnen, sondern im Winter auch Schneebahnen an vielen Orten mit Berglandschaften, damit mehr Menschen Skifahren können. Seitdem Beijing zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2022 gewählt wurde, haben immer mehr Menschen damit begonnen, Schlittschuh zu laufen und Ski zu fahren. Es gibt eine Vielzahl an Eis- und Schneesportgeräten in Einkaufszentren, wodurch dazu beigetragen wurde, dass der Eis- und Schneesport Teil des chinesischen Lebens geworden ist.

In den letzten zehn Jahren, die ich größtenteils in China verbracht habe, habe ich nicht nur die Entwicklung des Schnee- und Eissports erlebt, sondern auch die Entwicklung Chinas als Ganzes. So gibt es zum Beispiel immer mehr Hochhäuser, saubere Straßen, ein gut ausgebautes Verkehrsnetz, sowie ein vielfältiges Angebot an Waren aus vielen verschiedenen Ländern. Viele Aspekte des Lebens werden immer bequemer, aber vor allem wird in China ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Seit dem Wenchuan-Erdbeben im Jahr 2008 ist China immer besser in der Lage, mit plötzlichen Katastrophen und Notfällen umzugehen. Zudem wurde die Corona-Epidemie in China gut unter Kontrolle gebracht, was das Leben und Studium in China zu einem besonderen Glück gestaltet.

Das Motto der diesjährigen Olympischen Winterspiele lautet „Schneller, höher, stärker, mehr Einheit“. Die Olympischen Winterspiele in Beijing haben dem olympischen Geist „mehr Einheit“ hinzugefügt. Das steht nicht nur im Einklang mit Chinas Vision, eine Schicksalsgemeinschaft der Menschheit aufzubauen, sondern ist auch Ausdruck des Wunsches, dass die Menschen in aller Welt sich vereinen. Die Olympischen Spiele sind ein Symbol des Friedens und bringen gleichzeitig Menschen aus allen Ländern zusammen. Hier vermischen sich Kulturen, hier ermutigt man sich gegenseitig und die Leistungen der anderen werden beklatscht und bejubelt, so dass die Menschen die Möglichkeit haben, die globalen Probleme der Menschheit offen anzusprechen, sich zu vereinen, den Herausforderungen gemeinsam zu begegnen und „gemeinsam in die Zukunft“ zu schreiten.

Verfasserin: Zhuo Yue

Korrekturlesen: Valentina Ly